Ein Fahrstuhl, der nicht ankommt – Barrierefreiheit im Rathaus Immenhausen
Veröffentlicht von Steffen Scharnagl/ Ute Krug in Teilhabe & Barrierefreiheit · Freitag 13 Mär 2026 · 4:00
Tags: Barrierefreiheit, Rathaus, Immenhausen, Fahrstuhl, Teilhabe, persönliche, Erfahrungen, Maßnahmen, halbe, Lösungen, bessere, Lösungen, Inklusion, Stadtentwicklung
Tags: Barrierefreiheit, Rathaus, Immenhausen, Fahrstuhl, Teilhabe, persönliche, Erfahrungen, Maßnahmen, halbe, Lösungen, bessere, Lösungen, Inklusion, Stadtentwicklung
Teilhabe und Barrierefreiheit in Immenhausen – Teil 6
Barrierefreiheit ist Voraussetzung für echte Teilhabe – auch in Immenhausen.
Doch ein neuer Fahrstuhl im Rathaus zeigt,
dass gute Absichten allein nicht ausreichen.
Ein persönlicher Erfahrungsbericht über gut gemeinte Maßnahmen,
halbe Lösungen
und die Frage, wie Barrierefreiheit künftig besser gelingen kann.
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Der neue Fahrstuhl im Rathaus
In der HNA wurde mehrfach über die Maßnahmen berichtet:
„Das Rathaus wird barrierefrei“ sowie „Neuer Fahrstuhl im Alten Rathaus“
(HNA vom 08.11.2025 und 28.12.2025).
Als Mensch, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist und versucht, sein Leben
so selbstbestimmt wie möglich zu führen, habe ich diese Ankündigungen mit großer Hoffnung gelesen. Für mich klang das nach einem wichtigen Schritt in Richtung echter Teilhabe.
Denn Barrierefreiheit entscheidet darüber, ob Menschen am öffentlichen Leben teilnehmen können, oder davon ausgeschlossen bleiben.
Bislang war das Rathaus für mich nur sehr eingeschränkt nutzbar. Viele Räume waren nicht erreichbar, und Amtsgeschäfte mussten teilweise auf dem Flur erledigt werden.
Umso größer war die Erwartung, dass sich diese Situation nun grundlegend ändern würde.
Im Jahr 2025 habe ich erneut an der Aktion „Stadtradeln“ teilgenommen und mich mit meinem Handbike erfolgreich platziert. Die Einladung zur Siegerehrung im Rathaus habe ich deshalb mit Freude angenommen,
schließlich gibt es nun einen Fahrstuhl.
Die Realität vor Ort war jedoch ernüchternd.
Keiner der beiden Fahrstühle führt bis zum Stadtverordnetensaal. Als ich den Fahrstuhl nutzen wollte, begegnete mir zunächst Ratlosigkeit.
Schließlich wurde mir angeboten, mich die Treppe hinaufzutragen. Ein Vorschlag, den ich aus Sicherheits- und Würdegründen ablehnt habe.
Stattdessen blieb mir nichts anderes übrig, als auf dem Flur zu warten.
Ein Rathaus sollte ein Ort der demokratischen Teilhabe sein. Für Menschen im Rollstuhl endet diese Teilhabe hier jedoch weiterhin eine Etage zu früh.
Mein ausdrücklicher Dank gilt an dieser Stelle Herrn Reinhard, der sich engagiert, respektvoll und menschlich um mich kümmerte, während die Vertreterinnen und Vertreter der Stadt sich in den Sitzungssaal eine Etage über mir zurückzogen und dort ihre Reden im Rahmen der Stadtverordnetensitzung hielten.
Die eigentliche Siegerehrung fand schließlich auf dem eilig dafür hergerichteten Flur statt.
Ich habe versucht, die Situation mit Fassung zu ertragen.
Doch so sieht Teilhabe nicht aus.
So fühlt sich Ausgrenzung an.
So fühlt sich Ausgrenzung an.
Eine spontane Teilnahme an Stadtverordnetensitzungen zu denen interessierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen werden, ist für Menschen mit Gehbehinderung faktisch weiterhin nicht möglich.
Damit bleibt ein zentraler Teil der kommunalen Demokratie für einen Teil der Bevölkerung
weiterhin unzugänglich.
Das ist kein Randproblem, das ist ein strukturelles Problem.
Der neue Fahrstuhl hat Gesamtkosten von rund 381.000 Euro verursacht,
davon etwa 100.000 Euro aus dem Haushalt der Stadt.
Angesichts dieser Summe stellt sich eine berechtigte Frage:
Wie kann es sein, dass eine so teure Maßnahme
am Ende keine vollständige Barrierefreiheit schafft?
Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht.
Als Betroffener hätte ich beispielsweise einen Treppen- oder Plattformlift bevorzugt,
der vermutlich deutlich günstiger gewesen wäre.
Die eingesparten Mittel hätten dann für andere dringend notwendige Maßnahmen im öffentlichen Raum eingesetzt werden können.
Etwa für barrierefreie Bushaltestellen, weitere Nullabsenkungen an Gehwegen, taktile Leitsysteme oder sichere Querungsmöglichkeiten.
Natürlich kann nicht jedes Projekt sofort umgesetzt werden. Niemand erwartet, dass von heute auf morgen jeder Bordstein entfernt oder jede Bushaltestelle umgebaut wird.
Aber wenn ein Projekt umgesetzt wird, sollte es zumindest vollständig gedacht werden.
Denn wem nützt ein „halber“ Fahrstuhl?
Denn wem nützt ein „halber“ Fahrstuhl?
Barrierefreiheit bedeutet mehr als ein einzelnes
– und in diesem Fall unvollständiges –
Bauprojekt.
Sie umfasst stufenlose Zugänge, ausreichend breite Türen und ebene Wege.
Und sie nützt nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern auch älteren Menschen, Personen mit Rollatoren, Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit temporären Einschränkungen oder Reisenden mit Gepäck.
Barrierefreiheit erhöht Sicherheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität für alle.
Sie ist kein Sonderwunsch einer kleinen Gruppe,
sondern ein Gewinn für die gesamte Stadtgesellschaft.
Barrierefreiheit lässt sich jedoch nicht am Schreibtisch planen.
Sie muss gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden, die täglich darauf angewiesen sind.
Barrierefreiheit darf kein symbolisches Projekt sein.
Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe. Und sie gelingt nur dann, wenn Betroffene von Anfang an ernsthaft in Planung und Entscheidungen einbezogen werden.
("Das Rathaus wird barrierefrei") ("Neuer Fahrstuhl im Alten Rathaus")
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